Ohr-Akupunktur
Die Ohr-Akupunktur ist eine von Dr. Nogier um 1950 entwickelte Therapie, die seither von vielen Therapeuten erfolgreich eingesetzt wird. Nogier hatte festgestellt, daß neurophysiologische Vorgänge zur Projektion von peripheren Störungen des Körpers auf das Ohr führen. Die von ihm erfundene Ohr-Akupunktur basiert auf dem umgekehrten Vorgang: Vom Ohr aus lassen sich gezielte Reize setzen – z. B. mit Hilfe von Nadeln – die zurück auf den Körper wirken.
Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind sehr beeindruckend, denn es lassen sich grundsätzlich alle funktionalen Störungen in ihren Zusammenhängen sinnvoll behandeln. Die im Ohr erzeugten Reize werden von den drei großen Nerven aufgenommen, die das Ohr versorgen:
- Trigeminusnerv (5. Gehirnnerv)
- Vagusnerv (10. Gehirnnerv und Hauptnerv des parasympathischen Systems) und
- Plexus cervicalis supervicialis (oberes Halsgeflecht)
Da die Kerne dieser Nerven im Hirnstamm des verlängerten Rückenmarks liegen und dort mit der entscheidenden Schaltstelle zwischen dem Gehirn und dem Körper, der Formatio reticularis, verknüpft sind, werden alle Informationen ohne Verzug weitergeleitet. Umgekehrt werden alle Meldungen des Körpers an das Gehirn in der Formatio reticularis verarbeitet und wieder verteilt. Das im Ohr ausgelöste Signal gelangt also auf einem extrem kurzen Weg und somit fast ungestört zur Formatio reticularis, von dort zum Gehirn und über die Nervenbahnen weiter zum gewünschten Erfolgsorgan im Körper.
Was geschieht in der Behandlung?
Vorhandene Störung des Körpers können mit einem elektronischen Punktsuchgerät im Außenohr anhand der dort erregten Areale oder Punkte festgestellt werden. Diese Punkte werden anschließend mit sehr dünnen Spezialnadeln maximal 2 mm tief gestochen. Das Material der Nadeln spielt eine wichtige Rolle, da die verwendeten Metalle verschiedene energetische Wirkungen auf den Körper ausüben. Goldnadeln wirken z. B. sedierend (beruhigend), Silbernadeln hingegen tonisierend (anregend).
Die Verweildauer der Nadel im Ohr richtet sich nach der energetischen Situation der gestochenen Punkte. Der Körper gibt die Nadel frei, wenn er den Reiz nicht mehr benötigt. Es ist nicht unnatürlich, wenn Nadeln länger als 20 bis 30 Minuten im Ohr verbleiben.
Literatur
Michael Noack, Arbeitsbuch Ohrakupunktur, Akapit Verlagsservice, 2000.

